Benrath für Augen und Ohren

Im Süden Düsseldorfs

Benrath ist ein südlicher Stadtteil Düsseldorfs, reich an Geschichte und dennoch ein junger Teil der Landeshauptstadt. Erst 1929 erfolgte die Eingemeindung. Bis heute spürt man den alten Benrathern noch diesen Geist der Selbstständigkeit. Den Einkauf erledigt man im »Dorf« und meint damit die Benrather Hauptstraße, die heute eine Fußgängerzone ist. Nur für größere Besorgungen fährt man in die »Stadt« nach Düsseldorf. Zudem besitzt man mit dem Schloss und dem dazugehörigen herrlichen Schlosspark ein starkes Alleinstellungsmerkmal.

Der Name Benraths leitet sich von »Rode« ab und weist darauf hin, dass es sich um gerodetes Land handelt, was in einer Urkunde aus dem Jahr 1210 von einem Gerlacus de Rode erstmals und 1222 von einem Everhardus de Benrode bezeugt wird. Etwas vor 1330 ging der Besitz des Landes und der »Burg Benrath« auf die Grafen von Berg über. Diese 1674 zu einer Wasserburg umgebaute Burg lag östlich vom heutigen Schloss, im Bereich der späteren Orangerie, die wiederum der Rest des 1651-1674 erbauten Wasserschlosses. Dieses wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts durch das heute bekannte Jagd- und Lustschloss ersetzt.

Während dieser Zeit wuchs das Dorf Benrath recht langsam und erhielt erst etwas mehr Bedeutung, als das Herzogtum Berg 1806 an Joachim Murat, einem Schwager Napoleons, vergeben wurde. Dieser machte das Schloss Benrath zu seiner Residenz. Als dann die französische Herrschaft endete und der Wiener Kongress das Generalgouvernement Berg Preußen zugesprochen hatte, wurde die Samtgemeinde Benrath gebildet, die neben den Gemeinden Garath, Himmelgeist, Holthausen, Itter, Urdenbach und Wersten auch Eller und Hilden enthielten. »Groß-Benrath« war zur Hauptgemeinde südlich von Düsseldorf geworden. Im Laufe der Industrialisierung und der damit wachsenden Bevölkerungszahl ab Mitte des 19. Jahrhunderts gab es sogar Bestrebungen, die Stadtrechte zu erhalten. Dies wurde allerdings nie verwirklicht. Vielmehr kam es trotz erheblicher Gegenwehr der Benrather Bürger 1929 im Rahmen der Neugliederung der Regierungsbezirke zur Eingemeindung mit dem großen Nachbarn im Norden. Immerhin erreichten die Benrather einige Sonderrechte, die teilweise bis heute gültig sind und das Bewusstsein der Selbstständigkeit weiter unterstützt. So besitzt Benrath eine eigene Bezirksvertretung, eine eigene Stelle der Bundesagentur für Arbeit und ein eigenes Standesamt.

Sehenswert sind in Benrath vor allem die gut erhaltene Jungendstilbebauung in der Umgebung des Rathauses und natürlich das vom pfälzischen Kurfürsten Karl Theodor 1756-1770 erbaute Schloss mit den bis zum Rhein ausgedehnten Parkanlagen, in denen im Sommer ein Barockfest und das beliebte Lichterfest mit Picknick, klassischer Musik und einem bombastischen Feuerwerk stattfindet. Das Schloss ist ein besonderes Beispiel für den architektonischen Übergang vom Rokoko zum Klassizismus. Man sollte sich unbedingt die Zeit für eine geführte Besichtigung nehmen, die oft auch die verborgenen Räume und Gänge der Dienstboten beinhaltet. In den Nebengebäuden befinden sich ein Naturkundemuseum und, dies sei besonders empfohlen, ein interessantes Museum der Gartenbaukunst.

Benrath ist übrigens nicht nur für Besucher Düsseldorfs interessant, die sich für Architektur und Gartenbaukunst interessieren. Linguistiker dürften mit großem Interesse anreisen, um endlich einmal eine Isoglosse leibhaftig zu betreten. Eine Isoglosse ist die Grenze zweier sprachlicher Merkmale, wie zum Beispiel die Aussprache eines Konsonanten oder Vokals. Und in diesem Fall ist die Benrather Linie eine ganz besonders berühmte. Sie bezeichnet eine Linie von Benrath in östliche Richtung bis ungefähr Berlin und trennt die Dialekte der hochdeutschen von der niederdeutschen Sprache, machen von maken.

DUESSEL AQUA hat noch einen Geheimtipp parat: In den Räumen des Schlosses finden immer wieder Wandelkonzerte statt, die die Neue Düsseldorfer Hofmusik präsentiert und damit ein einzigartiges Eintauchen in die Welt des 18. Jahrhunderts bietet. Bei diesen Konzerten folgt man in Pantoffeln, den Musiker von Raum zu Raum, erlebt eine erstaunliche Klangvielfalt und erfährt zudem interessante Einzelheiten zur Geschichte der Musik und ihrer Komponisten. Auch für Kinder gibt es sogenannte »Schluppenkonzerte«.