Venetia und die letzte Medici

Düsseldorfs Karneval auf Italienisch

Im Düsseldorfer Karneval regiert ein Prinzenpaar, wie es in zahlreichen anderen Orten mit närrischem Brauchtum auch der Fall ist. Doch wäre es nicht Düsseldorf, wenn die Geschichte keine Besonderheit aufzuweisen hätte. Düsseldorfs Prinzessin ist keine einfache Prinzessin, sondern eine „Venetia“.

Düsseldorf und Venedig, gibt es da eine Verbindung? Indirekt, denn eigentlich besteht die Verbindung zur Konkurrenzstadt Florenz, zu den Medici.

Am 29. April 1691 heiratete der Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz, den die Düsseldorfer liebevoll nur Jan Wellem nennen, Anna Maria Luisa de‘ Medici. Zwar fand die Hochzeit im Florentiner Dom als Fernhochzeit in Abwesenheit des Bräutigams statt, aber es wird berichtet, dass eine zwar kinderlose, doch durchaus glückliche Ehe folgte.

Von der rheinischen Kleinstadt zur Kunstmetropole

Nachdem Jan Wellems alte Residenz, das Heidelberger Schloss, von französischen Truppen niedergebrannt worden war, wurde das Schloss zu einer italienisch geprägten Ersatzresidenz ausgebaut. Als spielten Kosten keine Rolle, trug das Paar unzählige Kunstschätze zusammen und machten die rheinische Kleinstadt Düsseldorf mit ihren gerade einmal 8.500 Einwohnern zu einer europäisch bedeutenden Kunstmetropole. Die Schaffung der Gemäldegalerie – gewissermaßen einem rheinischen Louvre – mit mehr als 1000 Werken von Rubens und anderen berühmten zeitgenössischen Niederländern und Italienern war wohl der Höhepunkt ihres Bestrebens.1696 kam zudem noch ein großes barockes Opernhaus hinzu. Anna Maria Luisa ließ sich aus ihrer Heimat regelmäßig räderweise Parmesan und unzählige modische Schuhe schicken. Ob das der Grund ist, warum man in Düsseldorf noch heute so gut italienisch essen und Schuhe einkaufen kann?

Natürlich gehörte es zu einem auf Repräsentation ausgerichteten Fürstenhaus dazu, bunte und sehr ausgelassene Feste zu feiern. Und da gehörte im Rheinland selbstverständlich auch der Karneval dazu.

Bei der Verbindung des Hauses zu Italien ist es nicht verwunderlich, dass die Karnevalsfeiern stark von venezianischen Maskenbällen inspiriert wurden und sich rheinisches Brauchtum perfekt einbringen ließ.

War Anna Maria Luisa de‘ Medici die erste Venetia?

Hier sei eine kurze Zwischenbemerkung zu einem Irrtum eingefügt, dem sogar viele Düsseldorfer unterliegen. Die Venetia des Karnevalsprinzen ist keine Verkörperung der Anna Maria Luisa de‘ Medici selbst. Der Ursprung ist dann doch noch etwas anders:

Im damals schon bestehenden Malkasten gab Anna Maria Luisa viele Jahre lang venezianische Feste zugunsten der Armen. Da Düsseldorf damals noch keinen eigenen Karnevalsprinzen besaß, lieh man sich den aus dem nahegelegenen Dülken aus. Dieser durfte sich in der Festgesellschaft seine „venezianische“ Dame, seine Venetia auswählen. So war die Kurfürstin zwar die Gründerin einer bis heute währenden Tradition, doch nicht selbst die erste Venetia. Wie sollte sie es als Florentinerin auch sein?

Zurück nach Florenz

Nach dem plötzlichen Tod Jan Wellems 1716 kehrte Anna Maria Luisa de‘ Medici 1717 nach Florenz zurück, wo sie ihre letzten, als traurig berichteten, dreißig Jahre verbrachte. Aufgrund ihrer eigenen und der Kinderlosigkeit ihres Bruders blieb Anna Maria Luisa die letzte Medici.

Der Grundstock der Düsseldorfer Galerie befindet sich heute in der Münchner Alten Pinakothek und ihr persönliches Eigentum ist noch heute eine wesentlicher Teil der wichtigen Kunstsammlungen ihrer Geburtsstadt in den Uffizien und dem Palazzo Pitti. Düsseldorf war nach dem Verlust dieses glanzvollen Herrscherpaares ganz plötzlich für eine lange Zeit wieder ein gutes Stück provinzieller geworden, was sich erst in jüngerer Vergangenheit wieder ändern sollte.

Heimweh nach Düsseldorf

Wohl aus einem gewissen Heimweh heraus, ließ sich die Kurfürstin nun regelmäßig Käse aus dem Düsseldorf so nahen Limburg kommen. Auch soll sie immer wieder nach aktuellen Nachrichten aus Düsseldorf gebeten haben. Es bleibt, dass diese letzte Medici in Düsseldorf ihre glücklichsten Jahre verleben durfte! Das wissen die Düsseldorfer und das ist sicher auch ein Grund, warum sie so an ihrer Venetia hängen.

DUESSEL AQUA wünscht allen Narren einen wunderbaren Karneval!